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„Reichen-Ranking: Abramowitsch rutscht ab!“. Für viele , wirft sich die Frage auf, wen und warum das interessieren sollte. Tatsächlich kann man aber aus einem solchen Ranking einiges herauslesen, wie z.B. die Richtung der derzeit vorherrschenden Winde auf die Wirtschaftszweige des Landes sowie des Machtgefüges im Kremls. So ist herauszulesen – was zuvor auch nicht ganz unbekannt war -, dass Abramowitsch, im Gegensatz zu Chodorkowski, mit Putin ganz gut kann. Ihm war wohl der große Ehrgeiz ein Milliardär zu sein, genug, während sein ehemaliger Oligarchen-Genosse nun für seine machthungrige Phase in den 1990er Jahren in Putins Reich mit dem Gefängnis immer wieder aufs neue büßen muss. Abramowitsch nämlich scheint besser zu wissen, wieviel Nähe und Distanz zum Kreml gut für einen Oligarchen ist – wahrscheinlich hilft ihm da der Abstand aus dem vornehmen Londoner Stadtteil Belgravia – und wie gut man gelitten ist, so dass es ihm ein Anliegen zu sein scheint, auch für „soziale Verpflichtungen“ aufzukommen, als da wären verstärkt in der alten Heimat in staatliche Bauprojekte zu investieren oder seinen 25-prozentigen Anteil an Russlands größtem Fernsehsender einem Verbündeten Putins zu einem Schleuderpreis zu verkaufen.

Karriere und Macht und Geld – das ist eine Aussage dieser Rankingliste – bestimmen in Russland nach wie vor, die „lupenreine Demokratie“. Wobei das vielbemühte Zitat eines deutschen Bundeskanzlers und Freund der Russen immer nur aus der neuerdings stolzgeschwellten deutschen demokratischen Brust heraus kritisiert wird. Dem Volk von Russland genügt die Geschwindigkeit hin zu einer wie immer gearteten Demokratie. Die Berichte in den deutschen Medien, wenn in der 12-Millionen-Metropole Moskau 70 Russen für mehr Demokratie demonstrieren, führen nicht zu der Erkenntnis, was dieses Volk an Priorität setzt: Brot. Als zweite Erkenntnis kann man dem Artikel entnehmen, durch welche wirtschaftspolitischen Prioritäten die russische Wirtschaft angetrieben wird und bestätigt die Vermutung: Was Russland nun wirklich besitzt, sind Land und Bodenschätze. Die nun vor Abramowitsch aufgelisteten Milliardäre sind ein Stahlmagnat, ein Aluminiummagnat sowie Michail Prochorow, verantwortlich für die Investmentgruppe Onexim und der neue auf der Leiter der Karriere zum vielfachen Milliardär: der Unternehmer Alischer Usmanow, welcher nebenbei wiederum Miteigentümer des Fußballvereins FC Arsenal ist. Die Karriere dieses Unternehmers zeigt die Verflechtungen von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur in exemplarischer Weise auf. Vom Spezialisten des internationalen Rechts über Joint-Venture-Unternehmen, Präsident des russischen Fechtverbandes zum Verlagschef und Generaldirektor einer Gazprom-Tochter, deckt dieser Tycoon so ziemlich alle wesentlichen Machtbereiche, die ein Land wie Russland vergeben kann, ab. Solche und andere Karrieren sollten uns sehr wohl interessieren. Eine einzige Biographie verrät oft mehr, als das Studium einer demokratisch vorgeblendeten deutschen Wirtschafts- und Außenpolitik.