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Das Moratorium der Bundesregierung zur Abschaltung von sieben Atomkraftwerken – darunter der endgültigen Außerbetriebnahme von Neckarwestheim – wird Auswirkungen auf die Strompreise haben. Deutschland erzeugt 23% seines Energiemixes mit Atomkraft.

Die Bedeutung der Atomkraftwerke für die Stromversorgung

Die Debatte um die deutsche Kernenergie wird nicht erst seit der japanischen Katastrophe geführt, freilich aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Experten von Greenpeace erklären das Abschalten alter Meiler für unproblematisch. Auch früher schon seien Atomkraftwerke ohne gravierende Konsequenzen für die Stromversorgung vom Netz gegangen. Freilich muss man wissen, dass jedes Kraftwerk gelegentlich vom Netz geht. Generalreparaturen werden in Zyklen von etwa 4 – 6 Jahren fällig, dann wird ein Block abgeschaltet und liefert über einige Wochen keinen Strom. Dieser Vorgang ist in der Gesamtversorgung einkalkuliert. Andererseits laufen Kraftwerke so gut wie nie auf Volllast, sondern im Regelbetrieb meist bei etwa 80% der möglichen Kapazität. Einzelne Stilllegungen werden also durch Leistungssteigerungen anderer Versorger kompensiert. Eine Abschaltung aller deutschen Atommeiler hingegen – also von 23% der installierten Leistung – wäre in jedem Fall problematisch.

Experten halten deutsche Atommeiler für Übergangslösung

Fachleute schätzen die Sicherheitsstandards deutscher Atomkraftwerke als sehr hoch ein. Dennoch wird das Moratorium auch in der Fachwelt als besonnener Schritt akzeptiert. Allerdings ist die Kernkraft nicht von heute auf morgen in Deutschland zu ersetzen, wenn Energie bezahlbar bleiben soll. Der Bund der Deutschen Industrie betrachtet Kernenergie in Deutschland als Übergangstechnologie. Die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke sollte ja eben den Raum für nötige Investitionen in erneuerbare Energien schaffen. Der Durchbruch zur grünen Wende scheint jedoch bereits vollzogen, die Absenkung der Einspeisevergütung für Photovoltaik zeigt, das weitere Subventionen unnötig sind. Daher schien – vor dem japanischen Reaktorunfall – mit der bisherigen Politik der Bundesregierung ein planvoller Übergang zur regenerativen Energieversorgung, die heute schon 16% des deutschen Stroms ausmacht, realistisch. Bei wesentlich schnellerem Ausstieg aus der Atomenergie wird dies nur über kräftige Preissteigerungen möglich sein.