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Im Zuge einer fast einstündigen Urteilsbegründung wurde der frühere Star-Broker Jérome Kerviel diese Woche dazu verurteilt, zusätzlich zu einer Gefängnisstrafe 4,9 Milliarden Euro als Schadensersatz zurückzuzahlen. So hoch bezifferte sein früherer Arbeitgeber, die Socìété Générale, den Schaden, auf dem sie nach Kerviels Fehlspekulationen sitzen geblieben war. Sollte Kerviel diesen Schadensersatz wirklich leisten müssen, würde es bei seinem derzeitigen Einkommen über 170 000 Jahre dauern, die Summe zurückzuzahlen.

Jérome Kerviel, einst als Top-Trader bezeichnet, wird heute eher mit den Worten Betrüger oder Zocker tituliert. Er hatte als Händler in Börsenabteilung der Société Générale mittels Manipulation erst hohe Renditen erzielt, die Bank dann aber durch Fehlspekulationen an den Rand des Ruins getrieben. Die Begrenzung der Handelssumme auf 125 Millionen Euro, die seiner Abteilung auferlegt war, umging er durch Computermanipulation. So investierte Kerviel wahnwitzige Summen von bis zu 50 Milliarden Euro in waghalsige Investments. Die dafür notwendigen Absicherungsgeschäfte täuschte er vor.

Im Laufe des Prozesses stellte Jérome Kerviel sich als Opfer des Systems dar. Solange er Gewinne erwirtschaftet habe, hätte niemand nach seiner Methode gefragt. Die internen Kontrollsysteme der Société Générale hätten versagt. Auch Kerviels Anwalt stellte sich hinter diese Darstellung und forderte für seinen Mandanten Freispruch. Lediglich die Computermanipulation hatte Kerviel eingestanden. Der Anwalt verlautbarte weiter, die riesige Summe des Schadensersatz an die Société Générale sei überzogen, genauso wie die Gefängnisstrafe. Er kündigte an, in Berufung zu gehen.

Führende Börsenangehörige in Frankfurt nannten die Vorkommnisse eine gefährliche Entwicklung. Der Kapitalmarkt würde immer mehr wie ein Casino dargestellt, unseriöse Trader wie Kerviel mit seinen Fehlspekulationen als Zocker bezeichnet. Das entziehe dem Kapitalmarkt die Akzeptanz, die er aber als wichtige volkswirtschaftliche Stütze benötige. Ein Börsianer nannte diese Entwicklung verheerend.

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