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Aktuelle Informationen aus der Wirtschaft für Arbeitgeber

Der finnische Autobauer Valmet Automotive hat den Ankauf der Cabriodach-Fertigung des traditionsreichen Osnabrücker Unternehmens Karman angekündigt. Karman hat in der Vergangenheit für Mercedes-Benz, Renault, Volkswagen und Audi Autodachsysteme gebaut und durch das von Volkswagen bis 1974 gefertigte Sportmodell Karman Ghia einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erlangt. Durch ausbleibende Aufträge ist Karman jedoch seit 2009 insolvent.

Zunächst einmal atmeten die Arbeiter in Osnabrück und im polnischen Zary, die seit geraumer Zeit um ihre Jobs gefürchtet hatten, auf. Valmet Automotive hat versprochen, alle Jobs zu erhalten.

Doch so wie es aussieht, muss bei Karman weiter der Atem angehalten werden. Das Bundeskartellamt hat Bedenken wegen Monopolgefahr angemeldet. Übernähme das finnische Unternehmen die Cabriodach-Sparte, so gäbe es im europäischen Handelsraum nur noch zwei Anbieter von Cabrio-Dachsystemen. Schon zuvor war die Übernahme derselben Sparte durch den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna am selben Hindernis gescheitert.

Wie sieht demnach die Zukunft von Karman aus? Insolvent, entscheidungsunfähig, resigniert? Oder bereit für eine neue Zukunft mit einem neuen Logo? Bedeutende Interessen stehen auf dem Spiel. Auf der einen Seite wackeln Tausende von Arbeitsplätzen, auf der anderen Seite droht Preisdiktatur durch Monopolstellung.

Jobs sind in Deutschland traditionell ein schlagendes Argument. Im Namen der Arbeitsplatzerhaltung greift die Bundesregierung oft und unter tosendem Applaus maroden Unternehmen finanziell unter die Arme. Dagegen jedoch wehrt sich das Bundeskartellamt nicht, schon weil dies nicht seine Aufgabe ist. Das Bundeskartellamt sorgt dafür, dass kein Wirtschaftszweig von einem einzigen Unternehmen monopolisiert werden kann, damit der gesunde Wettbewerb gesichert ist. Fakt ist, Karman ist insolvent. Angesichts der minimalen Anzahl von Autodachsystemanbietern im europäischen Wirtschaftsraum ist es fraglich, ob die Lösung des Problems in der Übernahme durch eine Fremdfirma liegt.