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Aktuelle Informationen aus der Wirtschaft für Arbeitgeber

Ein neues Schlagwort am Arbeitsmarkt ist das Anonymisieren von Bewerbungen. Damit geht das Bundesfamilienministerium einen Schritt in Richtung der beabsichtigten Verbesserung der Situation von Bewerbern mit Migrationshintergrund, von Alleinerziehenden und Menschen mit schwierigem sozialen Hintergrund.

Ob diese Zielstellung vor dem Hintergrund der Bedürfnisse der Wirtschaft erreicht werden kann und wirkliche Vorteile bei der Bewerbung bringt, bleibt zunächst offen. Denn trotz aller guter Absichten und der Euphorie der Politik geht das Leben in der Wirtschaft oftmals seine eigenen Wege.

Die Vorteile der anonymisierten Bewerbungen scheinen zunächst recht klar zu sein. Der Bewerber tritt in dieser Bewerbungsform zunächst als Mensch mit einem ausschliesslich fachlichen Hintergrund auf. Bildungswege, berufliche Qualifizierungen und Erfahrungen innerhalb oder auch außerhalb des Berufsfeldes bestimmen den Inhalt der Bewerbungen. Dabei werden bisherige soziale Stellung, ethnische Herkunft und Geschlecht sowie reine Äußerlichkeiten zunächst aus den Bewerbungsunterlagen genommen. Damit haben die potentiellen Arbeitgeber die Möglichkeit, sich im ersten Schritt ein neutrales Bild der Bewerber zu verschaffen und können so prüfen, ob der Bewerber von der fachlichen Qualität zur angebotenen Stellung passt.

Erst nach einer Vorauswahl aus den anonymisierten Bewerbungen erfolgt die Personifizierung der Bewerber. Spätestens dann, wenn Bewerbungsgespräche anstehen, ist die anonymisierte Bewerbung auch an die Person der Bewerber geknüpft. Selbst wenn bis dahin vor allem die Qualifikation der Bewerber im Vordergrund stand, werden dann auch die Persönlichkeitseigenschaften offen gelegt werden müssen. Absicht der anonymisierten Bewerbung ist es, Vorbehalte gegenüber bestimmten Personengruppen abzubauen. Damit verändert sich zwar der Bearbeitungsaufwand in den Personalbteilungen, letztlich aber wohl kaum das Ergebnis.

Letzten Endes entscheidet nämlich nicht nur die Qualifikation der Bewerber, sondern oftmals vor allem die Einschätzung, ob eine Person zu einem angebotenen Job und in das Unternehmen passt. Damit wird aus einer guten Absicht wohl wieder eher ein erhöhter Aufwand ohne greifbares Ergebnis im Sinne der eigentlichen Zielstellung.