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Damit hatte kaum jemand gerechnet – am Donnerstag gab die Schweizer Nationalbank den Euro-Franken-Mindestkurs auf und sorgte damit für erhebliche Turbulenzen an den Devisenmärkten. Damit endet eine Phase der Quasi-Bindung des Schweizer Franken an den Euro.

Kein einfacher Schritt

Leicht dürfte der Nationalbank der Schritt nicht gefallen sein, denn die Auswirkungen für die Wirtschaft der Eidgenossen lassen sich noch kaum abschätzen. Die Börsen in Zürich und an anderen Schweizer Plätzen sackten jedenfalls erst einmal dramatisch ab. Denn befürchtet wird jetzt eine massive Aufwertung des Franken, die die Exporte des Landes nachhaltig belasten dürfte. Ein deutliches Signal in diese Richtung war bereits der Euro-Kurs. Er stürzte nach Bekanntgabe der Nachricht binnen Minuten um fast 30 Prozent gegenüber der Schweizer Währung in die Tiefe.

Die Kehrtwende in der Währungspolitik der Eidgenossen ist nicht zuletzt der Not geschuldet. Seit Monaten steht der Franken unter starkem Aufwertungsdruck. Die Nationalbank musste zuletzt immer größere Anstrengungen unternehmen, den Euro-Kurs auf der selbst verordneten Relation von 1,20 Euro für einen Franken zu halten. Billiger durfte die europäische Einheitswährung nicht werden. Um das zu gewährleisten, kaufte die Zentralbank in großem Stil Staatsanleihen von anderen Euro-Ländern, bevorzugt aus Deutschland.

Kapitulation vor EZB-Kurs

Auch weitere Maßnahmen wurden getroffen. So galt in der Schweiz bislang schon ein negativer Zins für größere Einlagen bei der Zentralbank von -0,25 Prozent. Damit wollte man den Zustrom von Geld aus dem Ausland bremsen. Das gelang nur ansatzweise, schon seit Längerem klebt der Euro-Kurs an der 1,20-Marke, was ausschließlich den Stützungskäufen zu verdanken gewesen ist. Mit der Kursfreigabe hat die Nationalbank jetzt nochmals den Zinssatz auf nunmehr -0,75 Prozent abgesenkt. Ob das etwas bewirkt, bleibt abzuwarten.

Mit dem Kurswechsel kapitulieren die eidgenössischen Zentralbanker ein Stück weit vor Mario Draghi und seiner EZB. Die dürfte in der allernächsten Zeit mit ihrem angekündigten großangelegten Staatsanleihe-Kaufprogramm beginnen, was den Euro wahrscheinlich weiter schwächen wird. In dieser Lage wäre es für die Schweizer immer schwieriger geworden, ihren Kurs zu halten. Der jetzige Schritt bedeutet daher letztlich das Ziehen der Reißleine.

Gefahr der Deflation wächst

Viele fürchten jetzt in der Schweiz eine Deflation. Die Angst ist keineswegs unbegründet, denn schon in den letzten Monaten rutschte die Inflationsrate unter Null ab. Ursache war vor allem der drastisch gesunkene Ölpreis. Wenn jetzt der Franken massiv aufwertet, würden sich Öl- und andere Rohstoffimporte nochmals massiv verbilligen und damit auf die Preise drücken. Umgekehrt werden Exporte aus der Schweiz deutlich teurer werden. Die Aufwertung wird daher das Schweizer Wirtschaftswachstum dämpfen. Die Nationalbank hat das nicht abgehalten. Als eine Begründung für den jetzigen Schritt wurde genannt, die Schweizer Unternehmen hätten genug Zeit gehabt, sich auf die Situation vorzubereiten – drei Jahre lang dauerte die Euro-Stützung. Die nächsten Monate werden zeigen müssen, ob das stimmt.

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