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Derzeit schauen nicht nur die Europäer, sondern Finanzexperten rund um den Globus gebannt nach Zypern. Wird die kleine Mittelmeerinsel wirtschaftlich und währungspolitisch wieder Tritt fassen oder wird sie abstürzen? Und wenn ja: Was bedeutet das für den Euroraum? Dabei ist es weniger die – eher geringe – ökonomische Bedeutung der Insel, die im Falle eines Scheiterns Besorgnis erweckt als vielmehr die Folgewirkungen, die das in Zypern statuierte EU-Krisenmanagement auf andere gefährdete Volkswirtschaften haben könnte. Ist das „Modell Zypern“ auch auf andere Krisenländer übertragbar? Wird die Euro-Gruppe auch andere Landesbanken direkt in die Pflicht nehmen statt mit Milliardenkrediten Löcher zu stopfen? Möglicherweise steht die Probe aufs Exempel bald bevor: Aktuelle Zahlen aus Spanien verheißen wenig Gutes.

Pessimistischer Blick in die Zukunft

Griechenland hängt am EU-Tropf, die weitere Entwicklung von Zypern steht in den (europäischen?) Sternen, weitere kleine Länder – wie Luxemburg, Malta oder Portugal -, aber auch große Wirtschaftsnationen geraten immer stärker in den Krisenstrudel – allen voran Spanien. Spanien ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone und zählt seit geraumer Zeit zu den europäischen Sorgenkindern. Ein Ende scheint derzeit nicht in Sicht – im Gegenteil. Die spanische Zentralbank lässt in ihrem letzten Monatsbericht keinen Zweifel daran, dass die Rezession ihren Tiefpunkt noch nicht einmal erreicht hat. Die spanische Wirtschaft, so die Prognose der Banker, wird auch dieses Jahr um 1,5% schrumpfen, die Arbeitslosenzahlen werden weiter steigen. Bereits jetzt hat jeder vierte Spanier keine Arbeit – bis zum Ende des Jahres wird mit einem neuen Höchststand von 27,1% gerechnet. Auch für 2014 ist kein wirklicher Turnaround in Sicht. Zwar rechnet die Zentralbank mit einem leichten Wachstum von 0,6% – angesichts der tiefen wirtschaftlichen Krise, in der Spanien sich seit der geplatzten Immobilienblase im Jahr 2008 befindet, ist dies nicht mehr als ein Tropfen auf den buchstäblich heißen Stein. Mit Wirtschaftshilfen oder Investitionsprogrammen der öffentlichen Hand ist nicht zu rechnen – angesichts rigider Sparprogramme und einer brüsseldeutschen gesamteuropäischen Austeritätspolitik stehen die Zeichen eher auf Mangelwirtschaft.

Zusätzliche Verunsicherung

In dieser Situation schlug eine Äußerung des neuen Eurogruppenchefs, des niederländischen Finanzministers Jeroen Dijsselbloem, wie eine gesamteuropäische Bombe ein. Das Rettungsprogramm für Zypern, also auch die Teilenteignung von Bankguthaben, sei die „Blaupause“ auch für eventuelle Bankenrettungen in anderen Krisenländern der Eurozone. Für Anleger in Spanien dürfte dies eine zusätzliche Hiobsbotschaft sein. Ob Dijsselbloem einfach ungeschickt war oder in einem unbedachten Moment die Wahrheit gesagt, wie Spiegel-Kolumnist Wolfgang Münchau vermutet, ist dabei nebensächlich. Das Misstrauen ist jetzt geweckt und wird nicht mehr so schnell verschwinden, auch wenn Dijsselbloem seine Äußerungen mittlerweile relativiert hat.

Den Euro retten, solange man ihn noch hat?

Für Spanien bedeutet dies, dass zusätzlich zur Währungs- und Wirtschaftskrise die Gefahr einer massiven Kapitalflucht besteht. Ein Aderlass, den das Land kaum noch verkraften könnte und der zu weiteren sozialen Konflikten führen würde. Auch die separatistischen Tendenzen vor allem in Katalonien dürften dadurch zusätzlichen Zündstoff erhalten. Keine guten Aussichten für Spanien und weiterhin keine Entwarnung für Europa und seine gemeinsame Währung. Die heißt zwar in allen 17 Ländern der Euro-Zone nach wie vor Euro, bei Licht besehen existieren aber – wie Wirtschaftsjournalistin Ulrike Hermann in der Taz formulierte – bereits heute 17 nationale Varianten. Der „spanische Euro“ zählt derzeit dabei eindeutig zu den Verlierern.