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Die Turbulenzen und Unsicherheiten auf dem weltweiten Finanzsektor wurden durch die Schwierigkeiten der großen Bankhäuser in Spanien europaweit wieder angefacht. Gleichzeitig wurde die Angst vor einem Kollaps der Banken neu geschürt. In der Schweiz führt diese Situation zu heftigen Diskussionen über die Folgen eines Kollapses der Großbanken.

Gute Stellung der Schweizer Großbanken im Finanzmarkt

Die Schweiz verfügt über zwei Großbanken, die Credit Suisse und die UBS. Zusammengefasst haben die beiden Banken eine Bilanzsumme von 2.500 Milliarden Franken vorzuweisen. Diese Summe entspricht der fünffachen Wertschöpfung der Schweiz. Trotz allem ruht sich das Land nicht aus, denn die Turbulenzen der Finanzmarktkrise und die Gefahr um den Euro bilden ein großes Risiko für die Banken des Landes.

Die Schweiz reagierte auf die anhaltende Krise in Europa und verabschiedete im Februar ein Too-Big-To-Fail-Gesetzespaket. Dieses Gesetzespaket fordert von den Großbanken der Schweiz den Aufbau von bis 19 Prozent Eigenkapital. Die Liquiditätsvorschriften wurden verschärft und eine gleichmäßige Verteilung der Risiken gefordert. Mit Sollbruchstellen soll vorgesorgt werden, dass wichtige Bankaufgaben im Falle eines Bankrotts schnell auf lebensfähige Firmenteile der Banken übertragen werden können.

Schweizerische Nationalbank fordert schnelle Aufstockung des Eigenkapitals

Die vorbildliche und vorausschauende Finanzpolitik sollte Vorbild für andere Großbanken sein. Aber die Schweizer Nationalbank ist nicht zufrieden. Der Vizepräsident der Notenbank Jean-Pierre Danthine fordert in einem Mediengespräch Mitte Juni überraschend eine kurzfristig Erhöhung des Eigenkapitals der USB und Credit Suisse bis zum Jahresende.

Dabei verfügen die UBS eine Kernkapitalquote von 18,7 Prozent und die Credit Suisse mit 15,6 Prozent und gehören zu den Banken der Welt. Die Nationalbank verweist aber auf die “ungewichtete Eigenkapitalquote” der Bankhäuser, die bei genauem Hinsehen nicht so positiv aussieht. Gemeint ist die Eigenkapitalquote, die tatsächlich mit Grundkapital unterlegt ist und die beträgt für beide Häuser weniger als 3 Prozent der Bilanzsumme. Das Heranziehen der “risikogewichteten Eigenmittelquote” sieht positiver aus und ist in Europa gängig und wird in allen Diskussionen zu Grunde gelegt.

Risiko für Schweizer Großbankenhäuser überschaubar

Die Schweizer Nationalbank fordert nicht zu Unrecht die Erhöhung des Eigenkapitals. Diese Diskussion in der Schweiz, deren Bankhäuser nur wenig über die Turbulenzen der Euro-Zone leiden, sollte als Signal für die europäische Finanzpolitik gelten. Die Experten der Schweizer Nationalbank sehen hier scheinbar Gefahr für die Banken aufziehen und wissen, dass eine Großbank in Schwierigkeiten schnell andere Großbanken in Gefahr bringt.