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Aktuelle Informationen aus der Wirtschaft für Arbeitgeber

Vertretern der größten deutschen Konzerne ist es gelungen, eine politisch verordnete Frauenquote für Führungspositionen in der Wirtschaft abzuwenden. Die Bundesminister Ursula von der Leyen, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Philipp Rösler und Kristina Schröder hatten zuvor mit der Einführung einer solchen Frauenquote gedroht. In einem Spitzentreffen mit den Regierungsvertretern verhinderten die Personalvorstände der dreißig größten DAX-Unternehmen Deutschland dies, indem sie den Gegenvorschlag einer freiwilligen Selbstverpflichtung unterbreiteten. Ob die Selbstverpflichtung etwas an der Situation ändert und ob eine höherer Anteil an Frauen in leitenden Positionen in naher Zukunft überhaupt realistisch ist, bleibt abzuwarten. Zunächst haben die DAX-Unternehmen durch diesen Verhandlungserfolg zunächst einmal Zeit gewonnen.

Den Kern der Debatte bilden nicht zu widerlegende Zahlen. Von den rund 650 Vorstandsmitgliedern der 160 börsennotierten Konzerne in Deutschland sind nur drei Prozent Frauen. Es ist nachvollziehbar, dass die Politiker befürchten, hinter diesem Fakt stecke System. Die männlichen Bosse wollten einfach keine Frauen auf dem Chefsessel. Jeder Konzern weist seinerseits darauf hin, dass der Arbeitsmarkt kaum geeignete weibliche Führungskräfte hervorbringe. Dies sei auch einem Versagen der Politik zuzuschreiben, monieren die Wirtschaftsvertreter. Denn nach wie vor seien Kinder und Arbeit im Konzern speziell für Mütter schwer unter einen Hut zu bekommen. So lange, wie die Politik nicht die Rahmenbedingungen für Ganztagsbetreuung in Schule und Kindergarten schaffe, bliebe dem Großteil der Frauen auch der Aufstieg im Konzern zu Spitzenpositionen verwehrt.

Im Rahmen der freiwilligen Selbstverpflichtung, an dessen Ergebnissen sich jeder Konzern am Ende messen lassen wollen, planen die Unternehmen nun, speziell junge Frauen im Hinblick auf spätere Führungsaufgaben verstärkt zu fördern. Ein wichtiger Baustein dieses Förderprogramms ist die verbesserte Werbung um weiblichen Nachwuchs in bestimmten Branchen. In der Techniksparte beträgt das Verhältnis weiblicher zu männlichen Mitarbeitern maximal 1 : 9. Da ist es wenig wahrscheinlich, dass es ausgerechnet eine Frau bis zur Spitze des Konzerns schafft. Als Fazit der Debatte bleibt festzuhalten, dass eine dem demographischen Durchschnitt entsprechende Frauenquote von 50 Prozent in Führungspositionen momentan völlig illusorisch ist. Selbst wenn demnächst nur fünf Prozent der Vorstände weiblich sind, können die Unternehmen darauf verweisen, dass sie die Frauenquote praktisch verdoppelt haben.