wirtschaft-infos.de

Aktuelle Informationen aus der Wirtschaft für Arbeitgeber

Diese Nachricht dürfte manchen internationalen Großkonzern nicht erfreuen. Irland will mit einem Steuersparmodell Schluss machen, das vor allem die international agierende IT- und Internet-Branche in den vergangenen Jahren gerne genutzt hat. Es ist unter dem Namen ‚Double Irish‘ bekannt.

Steuern sparen: in Irland leicht gemacht

Worum geht es dabei? Bisher ist es für Konzerne möglich, in Irland zwei Tochterunternehmen zu registrieren, von denen aber nur eins auch seinen Steuersitz auf der grünen Insel hat. Dieses ‚Doppelt-Konstrukt‘ macht aus steuerlichen Gründen Sinn: Die Tochter mit Steuersitz in Irland sammelt Gewinne ein, die in anderen Ländern erwirtschaftet worden sind, und überweist sie als Lizenzgebühren für Patente und Rechte an die zweite irische Gesellschaft, deren Steuersitz woanders liegt.

Der befindet sich dann bevorzugt in Steuerparadiesen, zum Beispiel auf den Bermudas. Die zweite Irland-Tochter transferiert ihre Lizenz- und Patenteinahmen dorthin, wo dann Minimalsteuern anfallen. Sehr häufig wird bei diesem Modell auch noch eine niederländische Tochter zwischengeschaltet. Dann ist es auch noch möglich, zusätzlich Quellensteuer zu sparen. Aus dem ‚Double Irish‘ wird in diesem Fall ein ‚Double Irish with a Dutch Sandwich‘.

Viele bekannte Profiteure

Die Namen der Profiteure dieses bisher ganz legalen Modells lesen sich wie ein Who’s Who der IT- und Internet-Branche: Yahoo, Oracle, Microsoft, IBM, Google, Facebook, Apple, Amazon und Adobe nutzen das Steuerschlupfloch. Aber auch andere Branchen sind vertreten, zum Beispiel die Kaffeehauskette Starbucks. Mit dem Steuermodell sparen die Konzerne Milliarden. So schafft es Apple seit Jahren, seine Steuerbelastung aus Erträgen bei rund zwei Prozent zu halten. Die Google-Tochter in Irland wies im vergangenen Jahr einen Umsatz vom 17 Milliarden Euro aus, zahlte dort aber nur knapp 28 Millionen Euro Körperschaftsteuer.

Reaktion auf internationalen Druck

Das irische Steuersparmodell ärgert andere Länder schon länger. Die USA und Großbritannien drängen seit einiger Zeit immer nachhaltiger auf ein Ende des Double Irish. Auch die OECD und die EU-Kommission äußerten Kritik an der Regelung. Der irische Finanzminister hat jetzt reagiert und will Double Irish abschaffen. Ab kommendem Jahr soll es nicht mehr möglich sein, sich in Irland im Handelsregister eintragen zu lassen, ohne auch seinem Steuersitz in dem Land zu haben.

Unternehmen, die das Modell bisher nutzen, soll allerdings eine großzügige Übergangsfrist eingeräumt werden. Sie dürfen den Double Irish bis 2020 behalten. Irland möchte die internationalen Konzerne, die sich auf der Insel angesiedelt haben, nicht verärgern. Immerhin hängen rund 160.000 Arbeitsplätze davon ab. Daher soll auch an einem anderen steuerlichen Ärgernis nicht gerüttelt werden: dem niedrigen Körperschaftsteuersatz.

Nur ein Bauernopfer?

Nur 12,5 Prozent Körperschaftsteuer sind in Irland zu zahlen. Das ist im europäischen Vergleich für Unternehmen besonders günstig. Fast erscheint der Verzicht auf Double Irish daher wie ein Bauernopfer, um den Standortvorteil des Landes bei den Steuern auch in Zukunft zu erhalten.