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Der US-Konzern Hewlett-Packard (HP) hat am 1. Oktober bekannt gegeben, dass der frühere SAP-Chef Léo Apotheker ab 1. November neuer Chef des Umsatz gemessen größten IT-Herstellers der Welt werden wird. Apotheker tritt damit die Nachfolge des vor knapp zwei Monaten zu Konkurrent Oracle gewechselten Mark Hurd an und wird gleichzeitig dem Verwaltungsrat von HP angehören. Branchenkenner sind von der Berufung überrascht.

Apothekers Karriere ist seit zwei Jahrzehnten durch den weltweiten Ausbau des SAP-Vertriebs geprägt. Von 1988 bis 1992 war er erstmals für das Walldorfer Unternehmen tätig. Nachdem er sich drei Jahre lang dem Aufbau einer Risikokapitalgesellschaft gewidmet hatte, kehrte er 1995 zu SAP zurück und baute in den Folgejahren das Europageschäft des Softwarekonzerns aus. Im August 2002 wurde er als verantwortlicher Chef des globalen Vertriebs in den SAP-Vorstand berufen. Seit April 2008 war er Ko-Vorstandssprecher an der Seite von SAP-Mitgründer Henning Kargemann, von Mai 2009 bis Februar 2010 führte er das Unternehmen allein. Rückläufige Geschäftsergebnisse und strategische Differenz mit dem SAP-Gründer und Aufsichtsratsvorsitzenden Hasso Plattner waren dem Vernehmen nach der Anlass dafür, dass Apothekers Vertrag nicht verlängert wurde und er sein Mandat mit sofortiger Wirkung Anfang Februar diesen Jahres niederlegte.

Der 57-jährige Manager mit deutschem Pass spricht neben Deutsch vier weitere Sprachen fließend, gilt als Kosmopolit und lebt seit den 80er Jahren mit seiner Familie in seiner Wahlheimat Paris. In den USA ist Apotheker weitgehend unbekannt. Analysten vermuten, dass der Kursverlust der HP-Aktie, der mit Bekanntmachung der Berufung einsetzte, darauf zurückzuführen ist. Andererseits wird in der überraschenden Berufung ein strategisches Signal gesehen: Vermutet wird, dass der Software-Mann Apotheker diesen Zweig des IT-Konzerns nachdrücklich verstärken soll. Bei Hewlett-Packard trägt die Softwaresparte bislang lediglich drei Prozent zum Gesamtumsatz bei.