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Nach langem Ringen ist der Weg für die Sanierung der angeschlagenen Karstadt GmbH endlich frei. Vier Monate ist es her, dass der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen das deutsche Traditionsunternehmen gekauft hat, doch bisher konnte das laufende Insolvenzverfahren nicht aufgehoben werden, weil verschiedene Gläubiger noch Beschwerde eingelegt hatten. Diese sind jetzt vom Tisch und damit können die rund 25000 Karstadt Mitarbeiter laut Entscheid des Essener Amtsgerichts vorerst aufatmen.

Durch den Gerichtsentscheid greifen endlich auch die Mietsenkungen, die mit dem Vermieter-Konsortium Highstreet vereinbart worden waren. Zusätzlich entlastet wird das neue Budget durch einen Verzicht der Belegschaft, die im Gegenzug für die geplante Sanierung ausstehende Forderungen von bis zu 150 Millionen Euro zurückstellt.

Geschäftsführer Thomas Fox gab zum Neustart bekannt, dass das Geld für den Wiederaufbau nicht von Nicolas Berggruen persönlich eingebracht wird. Der hatte der Firmenleitung ursprünglich 70 Millionen Euro in Aussicht gestellt hatte. Die 400 Millionen Euro, die die Warenhauskette an ihren bundesweit 120 Standorten wieder konkurrenzfähig machen sollen, werden – so der Plan – vielmehr aus den laufenden Geschäften erwirtschaftet. Fox kündigte außerdem eine vorsichtige Kursänderung an, die vor allem das Warensortiment, die Organisation der Verkaufsflächen und die Einbindung der leitenden Mitarbeiter in die Unternehmensstrategie betreffen.

Hinsichtlich der aktuellen Produktpalette wird es voraussichtlich leichte Verschiebungen in der Gewichtung einzelner Branchen geben. So soll das Angebot an Büchern und Unterhaltungselektronik in den Karstadt Filialen künftig überschaubar gehalten werden, während Bekleidungsmode, Uhren, Schmuck und Haushaltsartikel verstärkt beworben werden. Auch der Sportswear und Fitnessartikel Bereich soll ausgebaut werden. Insgesamt sind die geplanten Änderungen jedoch nicht so spektakulär, wie die Kritiker der kostenintensiven Neuorientierung es erwartet hatten. Der frische Wind, den die Übernahme durch Nicolas Berggruen in die Führungsriege gebracht hat, ähnelt im Moment noch einer kühlen Brise, die zunächst einmal die erhitzten Gemüter von Mitarbeitern und Gläubigern beruhigen soll. Bleibt zu hoffen, dass das neue Modell noch Fahrt aufnimmt, damit das Schreckgespenst des wirtschaftlichen Zusammenbruchs in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehört.