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José Socrates, geschäftsführender Regierungschef von Portugal, kann sich freuen. Der Schuldenberg, den sein Land während der letzten Jahre angehäuft hat, ist erst einmal vom Tisch: Internationaler Währungsfonds und die Europäische Union haben einem Hilfspaket in Milliardenhöhe zugestimmt. Somit hat Europa wieder einmal mehr seinen Rettungsschirm über einem von Schulden geplagten Mitgliedsland aufgespannt. Auch die Wirtschaft in Portugal soll mit Hilfe der Finanzspritze wieder angekurbelt werden.

Nähere Angaben über die genaue Höhe des Sparpakets wollte Socrates, der bis zu den Neuwahlen im Juni nur noch geschäftsführend im Amt ist, nicht machen. Inzwischen sind jedoch aus Regierungskreisen Zahlen durchgesickert: Rund 78 Milliarden Euro soll die Finanzspritze betragen. Den größten Batzen davon hat mit rund 54 Milliarden Euro die EU zu tragen, den Rest der IWF. Damit liegt die Summe unter der, mit der bereits den wirtschaftlich ebenfalls gebeutelten Ländern Griechenland (satte 110 Milliarden) und Irland (85 Milliarden) unter die Arme gegriffen wurde.

Jetzt heißt es für Portugal, seine Schularbeiten zu machen und den Staatshaushalt zu sanieren. Auch dabei ließen die Entscheider in Brüssel (EU) und Washington, D.C. (IWF) großzügige Milde walten: Bis 2013 immerhin haben die Portugiesen Zeit, die maroden Finanzen auf Vordermann zu bringen. Dann muss das Haushaltsdefizit von über 9 Prozent des BIP (Bruttoinlandsprodukt) schrittweise auf unter 3 Prozent gedrückt worden sein. Wie das zu schaffen sein soll, darüber äußerte sich Socrates bislang nur vage.

Fest steht: An Mindestlöhnen und Renten im Lande vor allem auch im öffentlichen Dienst wollen die Portugiesen bis auf weiteres nicht sparen – das würde die in Portugal sehr streitbaren Gewerkschaften auf den Plan rufen. Daran kann die auf wackeligen Beinen stehende Regierung, die um ihre Wiederwahl fürchten muss, mit Sicherheit nicht interessiert sein. Angedacht sind Einsparungen beim Arbeitslosengeld und Veräußerungen von Staatsimmobilien sowie das Einfrieren staatlicher Millionenprojekte in der Infrastruktur. Bis Mitte Mai will Lissabon sein Paket in Brüssel präsentieren.