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Im September 2009 schockierte nicht nur die Region um Nürnberg die Insolvenz des 1927 von Gustav Schickedanz gegründeten Versandhauses Quelle. Das Unternehmen stand immerhin für eine lange Tradition und Millionen treuer Kunden. Die Kommentare zu dem Niedergang waren überwiegend sorgenvoll mit Blick auf die zu erwartende Kündigung tausender Mitarbeiter und die Schließung einer großen Zahl von Quelle-Agenturen. Die Arbeitsagentur Bayern rechnete seinerzeit mit einem Hochschnellen der Arbeitslosenquote um mehr als 3 Prozentpunkte auf über 12 Prozent – eine Horrorvision, die etliche Experten teilten.

Um die derzeitige Situation angemessen würdigen zu können, muss man sich die wesentlichen Gründe für die Insolvenz noch einmal ins Gedächtnis rufen: Altbackenes Image mit veralteten Markenartikeln, zu später Einstieg ins Online-Geschäft, in den letzten Jahren unzureichende Kundenbindung wegen nicht mehr zeitgemäßer Dienstleistungen, Verunsicherung durch die anhaltende Diskussion um die Rettung des Unternehmens, als k. o.-Kriterium zum Schluss auch die verspätete Herausgabe des Winterkatalogs 2009/2010. Die im Jahre 2006 erfolgte Umfirmierung in Arcandor hielten Fachleute schon damals für einen psychologischen Fehler: Gerade die treuen älteren Kunden konnten sich mit dem neuen Namen nicht anfreunden. Die Banken schließlich vermochten sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen, nicht einmal auf Auszahlung an Quelle bei direkter Forderungsabtretung.

So war es kein Wunder, dass sich trotz intensiver Bemühungen des Insolvenzverwalters und der Landespolitik kein ernsthafter Bieter für den Versandhandel fand, nicht einmal zu einem Angebot von Geld für die Übernahme von Quelle, also für einen ’negativen Kaufpreis‘. Bis Ende 2009 wurden von den rund 10.000 Mitarbeitern etwa 4.000 gekündigt. Ein Fiasko erschien wie ein Menetekel am Horizont des Arbeitsmarktes, was zu den eingangs erwähnten Befürchtungen führte. Doch es kam ganz anders.

Nach kurzzeitigem Anstieg liegt die Arbeitslosenrate in dem betroffenen mittelfänkischen Landesteil heute (Stand: Oktober 2010) bei 5,7 Prozent, also niedriger als vor der Insolvenz von Quelle! Sicher hatte es kurzzeitig einen Anstieg der Arbeitslosenquote aufgrund der Kündigung einer Vielzahl von Mitarbeitern des Quelle-Versandhandels gegeben, aber was sind die Gründe für den erfreulichen Rückgang? Als wesentliche Ursachen seien kursorisch folgende Punkte erwähnt: Eine gesunde Wirtschaftsstruktur mit hohem mittelständischen Anteil, was trotz Kündigung viele Arbeitslose rasch wieder eine neue Stelle finden ließ; gute Chancen vor allem für die gut ausgebildeten ehemaligen Quelle-Mitarbeiter im Konjunkturaufschwung (Stichwort: Fachkräftemangel!); gezielte Weiterbildungsmaßnahmen für die weniger qualifizierten Arbeitslosen verbunden mit weiteren politischen Maßnahmen – zum Beispiel zweckorientierten Strukturprogrammen; last but not least eine Art Wiedergeburt des Namens Quelle im Online-Versandhandel. Dies alles läßt die Reizwörter Insolvenz und Kündigung schon nach einem Jahr wesentlich von ihrem Schrecken verlieren.