wirtschaft-infos.de

Aktuelle Informationen aus der Wirtschaft für Arbeitgeber

Viele Menschen fragen sich besorgt, wie es denn wirklich um die Staatsfinanzen steht und ob insbesondere Bundesschatzbriefe, Finanzierungsschätze und Bundesanleihen wirklich so sicher sind, wie bisher angenommen. In diesem Szenario der Unsicherheit wird die Rolle der Ratingagentur Standard & Poors zu Recht hinterfragt, denn eine Herabstufung eines Landes kostet nicht nur jede Menge Vertrauen, sondern auch Volksvermögen durch teurere Kreditbeschaffung. Deshalb ist natürlich jedes Unternehmen und jedes Land daran interessiert, eine gute Bewertung zu bekommen. Unabhängig vom klassischen Zielkonflikt zwischen demjenigen, der ein Gütesiegel vergibt und demjenigen, der möglichst ein „hohes“ Gütesiegel bekommen will ist die Ratingagentur S&P gerade diese Woche durch ein nicht sehr professionelles Verhalten aufgefallen.

Gerüchte über eine Herabstufung benachteiligen Marktteilnehmer
Zugegeben: Nicht alle Veränderungen und Erschwernisse der Finanzmarktregulierung wie beispielsweise das deutsche Wertpapierhandelsgestz oder die amerikanischen Vorschriften über Insider-Handel wurden aufgrund einer Flut an neuem Papier und Formularen begrüßt. Dennoch besteht aber ein gesamtgesellschaftlicher Konsens darüber, wie Finanzmärkte Vertrauen aufbauen und rechtfertigen können. Eines der wesentlichen Merkmale ist die sog. Gleichzeitigkeit der Information: Kursbeeinflussende Informationen und Nachrichten müssen von den Unternehmen und Banken gleichzeitig an alle Marktteilnehmer und die interessierte Öffentlichkeit kommuniziert werden. Damit wird ein Wissensvorsprung vermieden, der zu als illegitim eingestuften Kursgewinnen führen könnte. Dies geht in den USA sogar so weit, dass große börsennotierte Unternehmen ihre telefonischen Konferenzen mit Bankenanalysten öffentlich führen können und jedermann über eine Telefonkonferenz zum normalen Telefontarif daran teilnehmen kann. Umso schlimmer ist es, wenn wichtige deutsche Nachrichtenmagazine wie der Spiegel und der Fokus mehrere Tage vorab über Marktgerüchte berichten können. Den Gerüchten zufolge sollen am Montag eine Herabstufung einiger EUR-Länder durch S& P drohen, wenn die Schuldenkrise nicht behoben wird. Damit verspielt die Ratingagentur jede Menge Vertrauen, weil diese Informationen bis zur gleichzeitigen Veröffentlichung an alle Marktteilnehmer vertraulich bleiben müssen.

Die Reaktion in Europa: Erstmals ruhig trotz Herabstufung
Inzwischen kennen die Märkte aber die Reihum-Abstufung verschiedener Länder durch S & P. Die Marktreaktion ist erstmals überaus gelassen. Dies führt dazu, dass der Stern S & P sogar wortwörtlich als Serientäter bezeichnet – die Wertschätzung für die Ratingagentur S & P ist also vollkommen verflogen.