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Aktuelle Informationen aus der Wirtschaft für Arbeitgeber

Einen prosperierenden und expandierenden europäischen Wirtschaftsraum hatten die „Macher“ der Eurozone vor mehr als eineinhalb Jahrzehnten versprochen. Heute haben wir uns längst an die täglich neuen Horrormeldungen vor allem aus den südlichen Ländern Europas gewöhnt. Staatsverschuldung, Korruption, Mangelwirtschaft, Regierungskrise, Rezession, Arbeitslosigkeit. Nur gut, dass das mit „uns“ nichts zu tun hat. Wirklich nicht? Eine durchschnittlich zwölf Prozent hohe Arbeitslosenquote kann auch „reiche“ Euroländer wie Deutschland nicht unberührt lassen.

Lost Generation?

Ein Berufszweig in Europa kann sich über mangelnde Tätigkeit gewiss nicht beklagen: Statistiker und Finanzexperten arbeiten unter Hochdruck und kommen mit den neuesten Zahlen kaum hinterher. War die durchschnittliche Arbeitslosenzahl vor nicht allzu langer Zeit zumindest noch einstellig, so hat sie mit Beginn des neuen Jahres noch einmal kräftig zugelegt und steht jetzt bei über 12 Prozent. Politiker, die derzeit mit eher mäßigem Erfolg nach Wegen aus der Krise suchen, haben die Herausforderungen, vor denen Europa steht, zumindest zahlenmäßig jederzeit perfekt vor Augen: Europaweit 26 Millionen Arbeitslose, Spitzenwerte mit 26 % in Griechenland und in Spanien, 17,5 % in Portugal – das hört sich nicht nur dramatisch an, sondern ist es auch. Besonders bitter: Junge Menschen unter 25 Jahren sind von der Situation am härtesten betroffen. Mehr als jeder Zweite in Griechenland und Spanien, jeder Dritte in Portugal und Italien hat derzeit keine Chance am Arbeitsmarkt. Das lässt für die Zukunft wenig Gutes erwarten und kann mittelfristig die Sozialsysteme vieler Länder in ihrem Bestand gefährden. Eine ganze Generation junger Menschen steht bereits jetzt im Abseits.

Gefährliche Kluft zwischen Nord und Süd

Dass Länder wie Deutschland, Österreich und die Niederlande zu den Gewinnern der Eurozone gehören, zeigt sich auch an den deutlich niedrigeren Arbeitslosenzahlen. 5,4 % in Deutschland und Luxemburg, 6% in den Niederlanden – das ist weit entfernt von Vollbeschäftigung, kann sich aber mit Blick auf die südeuropäischen Nachbarn und angesichts einigermaßen günstiger Wachstumsprognosen durchaus sehen lassen. Trotzdem steigt auch in den „reichen“ Ländern die Sorge, in den Abwärtstrend hineingezogen zu werden. Nur wer etwas hat, hat auch etwas zu verlieren. Die Neigung zur Solidarität, das hat die Zypernkrise klar gezeigt, tendiert allmählich gegen Null. Die Auflagen für Rettungsschirme und Kredite werden härter – der Austritt aus der Währungsunion und eine mögliche Währungsreform, die in den letzten Jahren als Ultima Ratio von allen Beteiligten weit von sich gewiesen wurde, hat inzwischen für die südlichen Länder, aber auch für die Eurowächter selbst, viel von ihrem Schrecken verloren. Wohlstand im Norden, reale Not und Armut im Süden. Die gemeinsame Währung scheint hier fast schon wie ein Anachronismus, der nur noch auf dem Papier zusammenhält, was in der Realität schon längst auseinandergedriftet ist.

Die Menschen in Europa – mehr als Zahlen und Fakten

Vor diesem Hintergrund wird eines deutlich: Europäische Einheit muss mehr bedeuten als die Stabilisierung der gesamteuropäischen ökonomischen Rahmenbedingungen. Sparprogramme, Subventionen und Kredite scheinen die Situation derzeit eher zu verschärfen als Abhilfe zu schaffen. Gefragt sind länderspezifische Konzepte, bei denen nicht die Statistiken, sondern die Menschen und die Stärkung regionaler und lokaler Aktivitäten im Vordergrund stehen sollten. Bildungsnotstand, Armut, Arbeitslosigkeit und sozialer Zerfall sind weitaus gefährlicher für das Projekt Europa als die derzeit diskutierten Haushaltsdefizite.