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Die Schaeffler-Gruppe, welche 2002 gegründet wurde und ihrem Hauptsitz in Herzogenaurach hat, gilt als einer der größten Maschinenbauer der Automobilbranche. Sie ist u. a. an zahlreichen weiteren Unternehmen der Automobilbranche beteiligt, auch an Continental. Durch die vergangene Wirtschaftskrise geriet Schaeffler allerdings in rote Zahlen, weshalb der Vorstand nun die Gunst der Stunde nutzen und mindestens 50 Prozent seiner Unternehmensanteile von Continental verkaufen.

Seit 2008 ist Schäffler beim Automobilzulieferer tätig. Aktuell hält man 75 Prozent der Anteile selbst oder über Dritte, wobei sich das fränkische Unternehmen von diesem wirtschaftlichen Schachzug Einnahmen im einstelligen Milliardenbereich verspricht. Man versucht die brummende Wirtschaftslage der Branche gezielt zu nutzen, um Investoren anzulocken und das geschnürte Paket von Continentalanteilen so attraktiv und teuer wie möglich zu veräußern. Und der Ausblick auf die kommenden Jahre verstärkt die Aufmerksamkeit auf die Autoindustrie sowie ihre Zulieferer. Der gesamte Börsenwert des Reifenherstellers, der um einiges größer ist als Schaeffler selbst, wird aktuell auf 12,4 Milliarden Euro geschätzt.

Bereits im vergangenen Jahr konnte Schaeffler rund ein Fünftel seiner Verbindlichkeiten von acht Milliarden Euro bei den Banken tilgen. Mit dem Verkauf von Aktien verspricht man sich somit, komplett aus der Schuldenfalle heraustreten zu können. Die Schulden entstanden überwiegend erst dadurch, dass Continental von Schaeffler übernommen wurde. Denn der Reifenhersteller sitzt und saß selbst auf Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe. Das fränkische Familienunternehmen übernahm sich beim Erwerb der Aktien, die heute nur noch einen Bruchteil dessen wert sind wie vor der Krise. Gezielt möchte Schaeffler so auch langfristig planen, um den eigentlich rentablen Reifenhersteller, der seinen Sitz in Hannover hat, nicht noch einmal solch einen Negativeinfluss auf die Bilanz nehmen zu lassen.

Ein weiterer Grund für die Begehrlichkeiten Schaefflers liegt in der angespannten Beziehung zum Reifenunternehmen. Im April und Dezember 2010 gab es bei geplanten Fusionsverhandlungen überraschende Rückzugsgedanken von Seiten Continentals. Die feindliche Übernahme 2008 hat ihre Spuren vor allem beim dortigen Management hinterlassen, welches Schaeffler ein abgekartetes Spiel in Form von Auflagen vorwirft. So durfte man im Mai 2010 nicht wie gewünscht zwei Milliarden Euro über eine hochverzinsliche Anlage am Geldmarkt einsammeln.