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Mehrere Jahre lang, von 1998 bis 2008, trafen sich mehrere Stahlfirmen in regelmäßigen Abständen unter dubiosen Decknamen in einem italienischen Lokal, dem in Mafiakreisen nicht unbekannten „Da Bruno“ in Duisburg, um ihre Preise für Einzelaufträge der Deutschen Bahn, von privaten Bahngesellschaften und Baufirmen abzusprechen. Die „Schienenfreunde“, wie sie sich selbst nannten, flogen erst auf, als ein Mitglied die Preise der anderen deutlich unterbot. Das Bundeskartellamt nahm umgehend Ermittlungen auf. Am Schienenkartell beteiligt waren neben kleineren Firmen aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen auch eine Tochter des Industriekonzerns ThyssenKrupp, die GfT Gleistechnik GmbH. ThyssenKrupp reagierte nach Bekanntwerden der Vorwürfe umgehend und tauschte die gesamte Führungsriege des Tochterunternehmens aus.

Als weitere Konsequenz wurde nun auch Bereichsvorstand Uwe Sehlbach seines Postens enthoben. Der Manager war im Industriekonzern für Materials Services der Eisenbahntechnik verantwortlich. Ihm konnte zwar keine persönliche Verstrickung in die ungesetzlichen Handlungen nachgewiesen werden, dennoch wird ihm die politische Verantwortung für die in seinem Geschäftsbereich begangenen Straftaten angelastet. Thyssen Krupp ist nach eigenem Bekunden darum bemüht, zur restlosen Aufklärung umfassend beizutragen und das Bundeskartellamt zu unterstützen, um in einem Verfahren mit einer möglichst milden Strafe davonzukommen. In diesem Zusammenhang dürfte die nicht unumstrittene Entlassung von Sehlbach zu sehen sein.

Die verbotenen Preisabsprachen belasteten die Deutsche Bahn – und damit auch den Steuerzahler, der die Sicherheit der Schienenstränge letztendlich bezahlt – mit mehreren Millionen bis zu einer Milliarde Euro. Auch Privatbahnen sind von den überhöhten Preisabsprachen betroffen. Über die zu erwartenden Rückzahlungen der unrechtmäßig erzielten Einnahmen dürften sich nicht nur die Deutsche Bahn und ihre Konkurrenten, sondern auch der Finanzminister freuen, da diese nicht unerheblichen Summen nach Abschluss der Ermittlungen in den Staatssäckel zurückfließen werden.