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Aktuelle Informationen aus der Wirtschaft für Arbeitgeber

Bei vielen Diskussionen um einen europäischen Rettungsschirm und Finanzhilfen für die Banken wird übersehen, dass der Umsatz im produzierenden Gewerbe und im Handel eine große Bedeutung für die Stabilisierung einer Volkswirtschaft hat. Fällt der Einkauf der Menschen zunehmend kleiner aus, dann sinkt die Kapazitätsauslastung und ein volkswirtschaftlicher Multiplikator-Vorgang kann erst gar nicht in Gang gesetzt werden. Deshalb lohnen die aktuellen Daten, die die Statistikbehörde in Spanien vorgelegt hat, eine gründliche Betrachtung.

Im April wurde um mehr als 11 % weniger eingekauft
Besonders interessant für die Bewertung des Konsumverhaltens und die Einordnung in einen Konjunkturzyklus sind die Umsatzwerte in konstanten Preisen. Hier wird also beim Einkauf die Preissteigerungsrate herausgerechnet, so dass ein ehrlicheres Bild über den Umsatz geliefert wird. Und hier erstaunen die jährlichen Vergleichszahlen vom April 2012 doch sehr. Im Jahresvergleich steht hier ein Minus von 11,3 %. Umgerechnet bedeutet dies, dass fast jeder 8. Euro eben nicht mehr für den Einkauf ausgegeben wird. Im Vormonat konnte noch ein lediglich leichtes Minus von 4 % vermeldet werden. Dieser Gesamtindex sieht dramatisch aus, deshalb lohnt sich ein Blick auf die einzelnen Warengruppen und Regionen.

Die Urlaubsinseln und Castilla-La Mancha bilden das Schlußlicht
Das Minus in den Einzelhandelsumsätzen verteilt sich ohne Ausnahme auf alle Regionen und Städte. Damit gibt es also innerhalb Spaniens keine Region, die sich von diesem Negativtrend nachhaltig abkoppeln konnte. Schlusslichter sind dabei die Region Castilla-La Mancha und die balearischen Inseln. Somit konnte sich eine der beliebtesten Urlaubsregionen im Hinblick auf die Wirtschaftsdaten nur in mattem grau und nicht im Sonnenschein präsentieren. Einkauf und Umsatz sind auf den balearischen Inseln um 8,8% eingebrochen, in der Region Castilla-La Mancha sogar um 14,6%.

Die Warengruppen bieten Anlass zur Sorge
Interessant wird es auch, wenn die einzelnen Warengruppen betrachtet werden. Wer den Wirtschaftsteil der Tageszeitung intensiv liest, der wird immer wieder die Formulierung finden, dass der Kauf von langlebigen Wirtschaftsgütern wie Autos und Haushaltsgeräten ein bedeutender Stimmungsindikator ist. Deshalb stimmt das Minus bei Haushaltsgeräten von -15,1 % im Jahresvergleich April 2012/2011 und bei “Nicht-Lebensmitteln” von -14,7 % besonders bedenklich. Das sinkende Einkommen der Bevölkerung und auch die negative Konjunkturerwartung schlagen auch bei Lebensmitteln mit -6,74 % zu Buche.

Der Blick auf die Zahlen spricht Bände! Die EURO-Schuldenkrise ist mit einiger zeitlicher Verzögerung und massiver Wucht auch im spanischen Einzelhandel angekommen. Wann sich der Umsatz wieder erhöhen wird ist im Moment nicht abzusehen.