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Ein Verbund kommunaler Stromversorger mehrerer deutscher Großstädte plant in naher Zukunft, massiv in den Bau neuer Kraftwerke zu investieren. Damit würden sie ihr traditionelles Geschäftsfeld, nämlich Strom an den Endverbraucher zu verkaufen, erheblich erweitern und demnächst auch als Stromerzeuger auf dem Markt auftreten. Das macht sie zu direkten Wettbewerbern der großen Stromkonzerne in Deutschland. Der Verbund nennt sich selbst 8KU und besteht unter anderem aus den Stadtwerken von München, Köln, Frankfurt, Hannover und Mannheim. Das Investitionsvolumen beträgt zehn Milliarden Euro. Die geplanten Kraftwerke sollen in erster Linie auf erneuerbaren Energien basieren, hier insbesondere auf Windkraft. 8KU verspricht, eine verbesserte Konkurrenzsituation auf dem Strommarkt zu schaffen. Davon könnten die Verbraucher profitieren. Denn eine verschärfte Konkurrenzsituation zieht in aller Regel günstigere Preise nach sich.

Ob die Stadtwerke sich aber zu einem ernsthaften Wettbewerber der Stromkonzerne entwickeln, bleibt abzuwarten. Bisher sind acht Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von zehn Gigawatt in Planung. Das würde etwa zehn Prozent des Gesamtbedarfs in Deutschland abdecken und reicht wohl nicht aus für eine marktbestimmende Position. Dass die Stadtwerke auf erneuerbare Energien setzen, hängt weniger mit einer ökologischen Agenda, sondern eher mit der aktuellen Lage am Energiemarkt zusammen. Die Gaspreise sind hoch, die Preise für Strom im Großhandel niedrig. Es macht momentan einfach keinen Sinn, Geld in den Bau fossiler Kraftwerke zu stecken. Es kommt hinzu, dass der Gesetzgeber Ökostrom Vorrang bei der Einspeisung einräumt. Damit ist für die Betreiber eines fossilen Kraftwerks unklar, wie viel Strom sie in Zukunft noch erzeugen dürfen.

Da die Erzeugung erneuerbarer Energien allerdings natürlichen Schwankungen unterworfen ist – weniger Sonnentage im Jahre bedeuten zum Beispiel weniger Solarstrom -, muss diese Unterversorgung von konventionellen Kraftwerken ausgeglichen werden. Um dies zu gewährleisten, will der Staat in Zukunft kleinere Energieversorger bevorzugt bezuschussen, die diese Versorgung übernehmen sollen. Da kommen die Stadtwerke wieder ins Spiel. Sie besitzen beispielsweise bereits kohlebetriebene Heizkraftwerke und ein Teil der Modernisierungskosten wollen sie aus diesem staatlichen Fördertopf begleichen. Pikanterweise stammen die Fördergelder aus den Zwangsabgaben der Atomwirtschaft – also aus den Gewinnen der großen deutschen Stromkonzerne.