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Aktuelle Informationen aus der Wirtschaft für Arbeitgeber

Im Zuge der Agenda2010 liberalisierte der Gesetzgeber die Regeln für die Leiharbeit. Die Verantwortlichen hofften damals, mit dieser Reform einen Zuwachs an Arbeitsplätzen zu erreichen. Ein Forschungsinstitut zieht nun Bilanz: Die Zeitarbeit schafft zusätzliche Arbeitsplätze. Doch welchen Preis hat der Trend zum vermehrten Einsatz von Leiharbeitern für die Gesellschaft?

Dank Leiharbeit: Arbeitgeber stocken schneller das Personal

Wenn Unternehmen Arbeitnehmer fest einstellen, müssen sie den gesetzlich verankerten Kündigungsschutz beachten. Wollen sie aufgrund schlechter Auftragslage Beschäftigte wieder entlassen, haben sie hohe Hürden zu überwinden und eventuell auch hohe Abfindungen zu stemmen. Deswegen halten sich viele Firmen bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze zurück. Sie lassen die Angestellten bei hohem Arbeitsbedarf lieber Überstunden arbeiten. Die Ausweitung der Zeitarbeit sollte mehr Flexibilität schaffen. Benötigen Unternehmen vorübergehend Arbeitskraft, können sie sich an Leiharbeitsfirmen wenden. Sie gehen damit keinerlei Risiken ein. Zugleich finden Arbeitslose, die bisher keine Chance auf irgendwelche Anstellungen hatten, über diese Gesellschaften leichter einen Zugang zum Arbeitsmarkt. Das renommierte Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) hat nun untersucht, welchen Effekt die Liberalisierung der Zeitarbeit zwischen den Jahren 2006 und 2010 hatte. Die Experten kommen zu einem positiven Ergebnis: In der Leiharbeitsbranche entstanden 200 000 Jobs. Aktuell arbeiten sogar über 800 000 Menschen in dieser Beschäftigungsform. Vor der Reform war es nur die Hälfte.

Gefährdet die Zeitarbeit feste Arbeitsplätze?

Kritiker der damaligen Gesetzesänderungen befürchteten, dass Arbeitgeber mit Leiharbeit normale Beschäftigungsverhältnisse ersetzen würden. Die Sorge war berechtigt: Laut IAB nutzen Unternehmen die Reform tatsächlich dazu, um normale Beschäftigungsverhältnisse zu verdrängen . Nach den Berechnungen des Instituts betraf dies im untersuchten Zeitraum rund 100 000. Unter dem Strich bleiben dennoch 100 000 Zeitarbeitsstellen, die durch die Liberalisierung zusätzlich geschaffen wurden. Allerdings wirkt die Leiharbeit in zweifacher Richtung: Bei guter Auftragslage explodiert die Anzahl der Beschäftigten, in krisenhaften Zeiten werden die Beschäftigten rasch arbeitslos.

Zeitarbeiter: Beschäftigter zweiter Klasse?

Trotz dieses zahlenmäßig positiven Effekts mehren sich die ablehnenden Stimmen. So fordert die SPD im Bundestagswahlkampf, Leiharbeit wieder einzudämmen. Unterstützung erfährt sie von den Gewerkschaften. Sie prangern an, dass es sich dabei um eine unsichere und schlecht bezahlte Beschäftigung handele und kaum Durchlässigkeit in den ersten Arbeitsmarkt bestehe. Zeitarbeiter müssen tatsächlich mit der Unsicherheit leben, dass sie bei einer schlechten wirtschaftlichen Situation sofort die Arbeit verlieren. Zudem findet nur eine Minderheit durch diese Tätigkeit eine Festanstellung. Schließlich werden die meisten Leiharbeiter deutlich schlechter bezahlt als Arbeitnehmer mit festem Arbeitsvertrag, obwohl sie in der gleichen Firma dieselbe Arbeit verrichten. Das kann zu Konflikten führen.